Das Thema ist entspannter, als die meisten denken: Michael ist vor acht Jahren ausgewandert und hat seine deutsche Handynummer und deutsche Versicherungen bis heute. Die steuerliche Grundregel lautet: Behalte tendenziell nichts, was nur bei physischer Anwesenheit in Deutschland Sinn ergibt, denn dem Finanzamt geht es beim Lebensmittelpunkt um die Sammlung von Indizien. Der sensiblere Teil sind die Versicherungen: Frag vor der Auswanderung unverbindlich an, ob dein Schutz im Ausland weitergilt, sonst zahlst du jahrelang Beiträge und stehst im Schadensfall ohne Leistung da.
Ja, und du solltest sogar, schon wegen SMS für die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Sorg dafür, dass dir der Anbieter Post zustellen kann, in der Regel reicht eine deutsche Korrespondenzadresse. Michael empfiehlt die Umstellung auf Prepaid: kein Rechnungsversand, mehr Flexibilität, und die Fair-Use-Policy beim EU-Roaming wird seltener zum Thema.
Alles, was nur vor Ort nutzbar ist: Fitnessstudio, Vereinsämter, das Pferd auf der Koppel. Aus wohnungsgebundenen Verträgen wie Strom, Festnetz und GEZ kommst du mit der Abmeldebestätigung raus. Die Schlimmsten sind Leasingverträge: Florian musste seinen nach der Auswanderung schlicht bis zum Ende weiterzahlen und für die Kfz-Behörde einen Verfügungsberechtigten in Deutschland benennen.
Der Worst Case: Du zahlst jahrelang, und im Schadensfall beruft sich die Versicherung auf ihre AGB, weil du keinen deutschen Wohnsitz mehr hast. Deshalb vor der Auswanderung anfragen und schriftlich klären. Die wichtigste Versicherung ist die Krankenversicherung, die zweitwichtigste die Privathaftpflicht. Hausrat und Rechtsschutz brauchst du im Ausland fast nie.
Florian hatte beim Auswandern Horrorszenarien im Kopf: Unterstellt mir das Finanzamt über die deutsche Handynummer einen Lebensmittelpunkt? Michael nimmt ihm die Angst gleich zu Beginn: Er selbst hat nach acht Jahren im Ausland noch seine deutsche Nummer und deutsche Versicherungen. Kein einzelner Vertrag bricht dir das Genick. Beim Lebensmittelpunkt zählt die Gewichtung: Wer nach Zypern zieht und weiter eine Pferdezucht in Deutschland betreibt, macht sich angreifbar. Wer nur Dinge behält, die auch aus dem Ausland Sinn ergeben, ist sauber unterwegs.
Der Handyvertrag bleibt, am besten als Prepaid und mit funktionierender deutscher Korrespondenzadresse. Wohnungsgebundene Verträge wie Strom und Festnetz enden mit der Abmeldebestätigung, die GEZ ebenso. Beim Fitnessstudio hast du keinen Rechtsanspruch, mit Abmeldebestätigung klappt die Kündigung aber oft auf Kulanz. Nur Leasingverträge sind hart: Da kommst du in der Regel nicht raus. Michaels Praxistipp: Geh vor dem Umzug die Kontoauszüge der letzten Monate durch und nutze die Auswanderung, um Altlasten zu kündigen.
Dazu gehört auch Papierkram mit Weitsicht: Geburtsurkunde und Führungszeugnis besorgst du dir leichter mit deutschem Wohnsitz. Zypern verlangt zum Beispiel die Geburtsurkunde deines Vaters, und ein Führungszeugnis gilt nur rund sechs Monate. Personalausweis und Reisepass lässt Michael bei zwei, drei Jahren Restlaufzeit lieber noch in Deutschland neu ausstellen, denn die Botschaft in Nikosia braucht ungefähr doppelt so lange.
Bei Versicherungen gilt: vorher unverbindlich anfragen, sonst zahlst du für einen Schutz, der im Schadensfall an den AGB scheitert. Die Privathaftpflicht ist meist unproblematisch; Michaels Anbieter kennt seinen Wohnsitz in Zypern und führt sie EU-weit befristet weiter, international gibt es Anbieter wie Dr. Walter. Risikoleben und Berufsunfähigkeit laufen als Risikoversicherungen in der Regel weiter. Hausrat und Rechtsschutz hält Michael für verzichtbar: Eine Versicherung lohnt sich, wenn der Schaden existenzbedrohend wäre, sonst zahlst du vor allem Verwaltung und Gewinn der Gesellschaft. Zur Krankenversicherung, dem größten Brocken, kommt eine eigene Folge. Die Details und die Checklisten-Punkte hörst du in der Folge.
Der Artikel fasst zusammen. Die Beispiele, Grenzfälle und Geschichten aus der Praxis bekommst du in der Folge.
Michael, als ich ausgewandert bin, hatte ich solche Horrorszenarien im Kopf. Allein schon wegen meiner deutschen Handynummer. Ich habe gedacht: Was passiert, wenn ich meine deutsche Handynummer behalte, obwohl ich im Ausland lebe? Kann das Finanzamt mir darüber einen Lebensmittelpunkt unterstellen und versuchen, mich dranzukriegen? Was wird vom Konto normalerweise abgebucht? Welche Verträge kann und sollte ich vielleicht behalten? Was sollte ich kündigen, worauf sollte ich achten? Lass uns das einmal durchgehen.
Leasing-Anbieter sind die Schlimmsten. Ich bin vor acht Jahren ausgewandert. Ich habe immer noch eine deutsche Handynummer, die ich seit 20 Jahren habe. Ich habe auch noch deutsche Versicherungen. Das ist unterm Strich alles eine ganze Stufe entspannter.
Hallo Michael!
Servus Florian!
Michael, als ich ausgewandert bin, hatte ich solche Horrorszenarien im Kopf. Allein schon wegen meiner deutschen Handynummer. Ich habe gedacht: Was passiert, wenn ich meine deutsche Handynummer behalte, obwohl ich im Ausland lebe? Kann das Finanzamt mir darüber einen Lebensmittelpunkt oder irgendwas unterstellen und versuchen, mich dranzukriegen? Bei allem, was von meinem Konto abging – Verträge, Versicherungen und so weiter –, habe ich eine Riesenpanik geschoben und Angst gehabt, dass das Finanzamt mich kriegt und das mitbekommt. Mich würde interessieren, das mal wirklich durchzugehen: Was wird vom Konto normalerweise abgebucht? Welche Verträge kann und sollte ich vielleicht behalten, was sollte ich kündigen, worauf sollte ich achten? Lass uns das einmal durchgehen.
Gerne. Ich bin vor acht Jahren ausgewandert, ich habe immer noch eine deutsche Handynummer, die ich seit 20 Jahren habe, und ich habe auch noch deutsche Versicherungen. Also das ist unterm Strich alles eine ganze Stufe entspannter.
Das wäre doch mal schön.
Wir gehen die Sachen einfach mal entspannt durch, so ein bisschen im Checklisten-Stil, um das mal vorab steuerlich einzuordnen – das ist so ein bisschen das Einfachste. Die Regel ist: tendenziell nichts behalten, was nur bei physischer Anwesenheit in Deutschland Sinn macht.
Also ein Fitnessstudio zum Beispiel.
Genau. Was kann dir das Finanzamt am ehesten unterstellen? Den Lebensmittelpunkt. Dass sie sagen: Pferd auf der Koppel, aktives Vorstandsmitglied in drei Vereinen, in zwei Parteien aktiv – solche Sachen, wo man sich fragt: Wieso hat er das noch? Das macht doch nur Sinn, wenn er regelmäßig da ist. Und das münzen sie dann in einen Lebensmittelpunkt um und nehmen es vielleicht auch zum Anlass, einmal genau hinzuschauen: Wie viele Tage ist er noch da? Klar, wenn du nur knapp auswanderst, kann es durchaus Sinn ergeben, dass du noch dein Pferd hast, zu dem du zweimal die Woche fährst. Das heißt noch lange keinen steuerlichen Schaden. Aber wenn du einfach nach Zypern gehst und noch eine Pferdezucht in Deutschland hast, ist das ein bisschen widersprüchlich.
Also ein Fitnessstudio.
Genau, jetzt gehen wir es einfach Stück für Stück durch. Ein Fitnessstudio macht keinen Sinn. Ich kenne Einzelfälle, die sagen: Komm, ein Jahresabo ist so günstig bei McFit oder ähnlich günstigen Anbietern, ich bin zwei, drei Monate im Jahr in Deutschland, das macht für mich Sinn, das laufen zu lassen – wenn ich das immer einzeln abschließe, ist das viel zu hektisch. Das ist erst mal eine Geldfrage, ich würde es tendenziell kündigen. Und wir sollten zwei große Kategorien trennen: Verträge, Abos und so weiter auf der einen Seite, Versicherungen auf der anderen. Fangen wir mit den Verträgen an.
Ich glaube, ich habe das einmal gehört, aber ich glaube, das ist nicht das, wovon man Angst haben muss. Im schlimmsten Fall muss man eine Lösung finden. Aber weil ich den Handyvertrag ja klar auch außerhalb Deutschlands nutzen kann, ist das fürs Finanzamt nichts, wo die sagen können: Du wohnst noch in Deutschland, weil du die deutsche Nummer hast. Einen Handyvertrag auf keinen Fall kündigen.
Die Nummer ist auch super wichtig, schon wegen der 2FA-Geschichten, dass du SMS empfangen musst. Ich würde auf jeden Fall meine deutsche Nummer behalten. Ich habe es auch so gemacht, habe sie seit acht Jahren, dazu noch eine zyprische Nummer. Deswegen alles easy.
Super.
Dann überlegst du dir, aus welchen Verträgen du rauskommst. Aus vielen kommst du ohnehin raus, wenn du deine Wohnung aufgibst. Festnetz – Sonderkündigungsrecht ist vielleicht noch ein wichtiges Thema, das gibt es, soweit ich es verstehe, eigentlich nur beim Festnetz. Eventuell auch beim Mobilfunk, aber das wollen wir in der Regel nicht, wenn der dich im Ausland nicht versorgen kann. Es kann natürlich sein, dass eine Telekom oder ein Vodafone sagt: Wir können dir auch in Malta einen Handytarif anbieten oder eine Festnetzleitung legen. Dass du den Vertrag im Ausland weiterführen musst, habe ich aber noch nie mitbekommen. In der Regel kommst du mit einer Abmeldebestätigung aus den Verträgen raus, weil die wirklich an die Wohnung in Deutschland gebunden sind.
Das hatte ich tatsächlich selbst. Ich hatte noch einen Leasingvertrag, der noch etwa ein Jahr lief. Man muss als Halter eine Wohnung in Deutschland haben, um den Vertrag vorzuhalten – das war ganz komisch. Aber ich habe ein Formular gefunden, mit dem man Halter bleiben und trotzdem auswandern konnte. Man musste dann einen Verfügungsberechtigten ernennen, glaube ich hieß das.
In Deutschland, für die Leasinggesellschaft?
In Deutschland, ja – aber jemanden, bei dem es gar nicht um die Leasinggesellschaft ging, sondern um den Staat, damit die Strafzettel zustellen können und so weiter.
Das ist richtig. Für die Kfz-Behörde reicht es aus, wenn es jemanden in Deutschland gibt, dem die Strafzettel zugestellt werden können.
Und dann hat das funktioniert. Dieses Formular habe ich im Internet gefunden – bei der Kfz-Behörde kannten sie es selbst nicht. Aber das war schon ein seltener Fall.
Die Kfz-Behörde ist ohnehin das Einfache, das ist Standard. Versicherung ist meistens schwierig. Es gibt mittlerweile ein, zwei Lösungen, die ganz gut funktionieren, aber die Versicherung will eigentlich immer einen deutschen Wohnsitz. Aus dem Leasingvertrag selbst bist du aber nicht rausgekommen.
Nein.
Und was hast du dann gemacht? Du hast den dann auch quasi ...
Ich habe ihn weitergezahlt, bis er zu Ende war.
Das Einzige, was man ein bisschen machen kann: schauen, dass der Kreis der Fahrzeugführer bzw. Nutzer erweitert wird, damit im Zweifel jemand aus dem Family-and-Friends-Kreis sagt: Das Auto steht da, ich bin eh kaum da, dann kannst du es nutzen. Aber das ist einer der Preise, die man zahlt.
Oder man könnte es wahrscheinlich auch ins Ausland mitnehmen.
Naja, wenn das erlaubt ist, wirst du wahrscheinlich durch Europa fahren dürfen. Ob du deines bis auf eine Insel wie Zypern oder Malta bringen darfst, weiß ich nicht – wir müssten es wahrscheinlich zurückbringen. Das ist natürlich der Punkt.
Klar, wir müssten nach Frankreich auswandern. Wüsste ich zwar nicht wieso, aber dann ließe es sich ...
Dann wäre es sicherlich kein Problem.
Okay: Leasingverträge sind ein Problem, weil ich auch mit der Abmeldebestätigung nicht rauskomme. Fitnessstudio ist aus meiner eigenen Erfahrung kein Problem, da kommt man raus – Abmeldebestätigung vorlegen.
Okay, aber du hast keinen Rechtsanspruch, das ist dann ein Stück weit Kulanz. Ich würde es aber immer probieren.
Vielleicht hatten sie auch Angst vor mir – aber bei mir war es kein Problem.
Vielleicht waren sie froh.
Vielleicht waren sie froh, dass sie mich loswerden.
Genau. Und Stromverträge und so weiter sind auch kein Problem, habe ich festgestellt. Das hängt an der Wohnung, hängt am Auszug. Abmeldebestätigung, tschau.
Ja.
Viel mehr Verträge fallen mir nicht ein, die man bei einer Auswanderung groß beachten müsste. Das Letzte, was mir noch einfällt, ist die GEZ – die hängt am deutschen Wohnsitz. Mit der Abmeldebestätigung ein kurzes Schreiben hin, und dann bist du auch aus dieser sehr netten Zwangsabgabe befreit.
Das kriege ich nicht mehr, wenn ich ausgewandert bin, meinst du?
Doch, natürlich. Aber es ist viel schwerer. Oft braucht es dann beglaubigte Übersetzungen, und du versuchst aus der Ferne, die Dokumente zu bekommen. Es ist viel einfacher, einmal durch die zwei, drei zuständigen Behörden zu laufen und dann alles zu haben, was man braucht. Wir haben ja beide in Zypern geheiratet. Und wir wissen beide, was für ein Horror das war.
Aber nicht standesamtlich.
Ihr nicht standesamtlich – wir haben es am Ende standesamtlich gemacht.
Aber wobei, da muss ich mal die Deutschen in Schutz nehmen: Ich habe eine Geburtsurkunde einfach per Mail beantragt, und die war in – ich glaube – zwei Wochen da. Das war relativ unproblematisch. Das war das Einzige, was unproblematisch war. Sie kam dann im Original gestempelt per Post.
Das ist super. Denn das ist ja auch immer der nächste Punkt: Aus irgendeinem Grund müssen die Dinge im Original ausgedruckt und 18-fach gestempelt sein, eine digitale Kopie reicht nicht.
Ich verstehe das auch nicht.
Ja, da gilt einfach: vorher wissen, was man braucht. Gerade in Südamerika ist das ein großes Thema, bei den ganzen Cédula-Geschichten, wo du zum Beispiel ein Führungszeugnis brauchst. Es ist viel einfacher, das noch mit deutschem Wohnsitz zu beantragen. Manche Sachen verweisen dich dann eventuell auf Botschaften – da ist es besser, das komplett zu haben.
Pass und Perso wahrscheinlich auch, oder?
Genau, das wäre mein nächster Punkt gewesen, den ich mit reingenommen habe. Plus Führerschein.
Führerschein?
Führerscheine musst du aktuell austauschen, weil die Deutschen etwas verbaselt und zu spät auf den digitalen EU-Führerschein umgestellt haben. Deswegen laufen unsere Führerscheine aus. Wir haben 2026 – dieses Jahr, im Januar, sind schon alle bis 2001 ausgestellten Führerscheine dran, ohne mich festzunageln. Ich weiß, dass ich meinen bis 2028 umtauschen muss. Das müsste ich dann konsequenterweise in Zypern machen.
Gut, dass wir Podcast machen – da häng ich mich einfach dran.
Naja, der läuft dann aus, das ist eine Ordnungswidrigkeit. In Zypern juckt das wahrscheinlich keinen, aber in Deutschland kriegst du im Zweifel Ärger.
Zypern hat mich noch nie nach einem Führerschein gefragt.
Okay, ja. Aber Ausweise finde ich auch noch mal ganz spannend. Ich weiß gar nicht, wie einfach es wäre, wenn du sagst, mein Perso ist noch drei Jahre gültig. Im Zweifel würde ich den bei zwei, drei Jahren Restlaufzeit versuchen, in Deutschland neu ausstellen zu lassen. Du kriegst ja einen neuen, der dann zehn Jahre gültig ist. Ich habe mir damals sogar einen zweiten Reisepass besorgt. Der zweite ist nur sechs Jahre gültig. Soweit ich es verstehe – ich weiß gar nicht, ob es schwerer oder leichter geworden ist – kriegst du den, wenn du eine Begründung hast. Es gibt viele Länder, wo du ein Print-Visum drin haben musst. Das musst du dann zum Beispiel in Deutschland zur Botschaft schicken, das braucht ein, zwei Monate, und wenn du in der Zwischenzeit andere Reisen machen willst, brauchst du einen zweiten Reisepass.
Ja.
Bei mir war das damals super unproblematisch zu beantragen. Er ist mittlerweile ausgelaufen, jetzt habe ich nur noch einen, und in zwei, drei Jahren steht der Umtausch bei der zyprischen Botschaft an. Das gilt auch: Sobald du im Ausland fest lebst und deinen Wohnsitz hast, musst du das in der Botschaft machen. Die werden in Deutschland gedruckt. In Zypern ist mein Gefühl, dass die deutsche Botschaft heillos überfordert ist.
Mit der Invasion.
Du kriegst es nur in Nikosia. Du musst lange im Vorfeld einen Termin organisieren, und die Bearbeitungszeit dort ist vermutlich knapp doppelt so lang wie in Deutschland, weil der Reisepass, wenn er gedruckt ist, erst nach Zypern geschickt werden muss und wir ihn dort abholen müssen. Das ist alles nicht so ganz spaßig.
Da habe ich noch eine Frage, dann komme ich zurück zu den Verträgen. Ich habe irgendwo gehört, dass die Gemeinde, in der du zuletzt gewohnt hast, fünf Jahre lang für solche Sachen zuständig bleibt und erst dann eine andere. Ist das Hörensagen, oder stimmt das?
Wenn du einen festen Wohnsitz im Ausland hast, wo es eine Botschaft gibt, ist die direkt zuständig. Wer würde das anders unterstellen? Das ist wie ein innerdeutscher Umzug. Und ich meine auch gehört zu haben, dass man das alles im Gesetz findet. Manchmal ist es sinnvoll, für die deutsche Behörde das Gesetz auszudrucken und zu zitieren, weil der Beamte, für den das exotisch ist, das nur einmal alle fünf Jahre macht und es selbst nicht weiß. Das Gesetz ist sehr überzeugend, um zu sagen: Hier steht, du bist zuständig, bitte stell mir das aus.
Der Punkt ist doch der: Wenn du zuletzt in Hamburg gelebt hast, deine Familie aber aus der Nähe von Stuttgart kommt und du als Dauerreisender in Deutschland nur noch in Stuttgart bist, dann ist es albern, extra durch ganz Deutschland zu fahren, statt in Stuttgart zur Behörde zu gehen. Ich hoffe ein Stück weit, dass die deutschen Gesetze da gut sind – man kann ja nie ausschließen, dass sie Verrenkungen enthalten, die man nicht nachvollziehen kann.
Im Zweifel ins Gesetz schauen. Und ein Beamter lässt sich immer wahnsinnig gut überzeugen, wenn du ihm die Gesetze, die er beachten muss, im Zweifelsfall noch mal erläuterst – manche kennen sich auch aus. Da gibst du einfach Hilfestellung.
Okay, zurück zum Thema. Handyvertrag: kein Problem, höchstens vonseiten des Anbieters. Deswegen am besten Prepaid und sicherstellen, dass die Post ankommt. Genauso wie bei allen anderen Verträgen, wie ich es verstanden habe: sicherstellen, dass die Post ankommt. Und der Hinweis, den ich sehr hilfreich finde: Wenn du den Umzug angestoßen hast, geh mal die Kontoauszüge der letzten zwei, drei Monate durch. Nutz das im Zweifel auch, um einige Abos und Verträge, die du vielleicht hast, zu kündigen und ein bisschen Altlasten loszuwerden. Eine Auswanderung ist ein wahnsinnig schöner Schritt im Leben, weil man da vieles noch einmal zur Disposition stellen kann.
Naja, deine Wohnung.
Ja, klar.
Aber aus steuerlicher Sicht: Wir hatten ja schon eine Folge zum Wohnsitz und eine zum gewöhnlichen Aufenthalt. Das muss sauber beendet sein. Es gibt jetzt keinen einzelnen Vertrag, der dir direkt das Genick bricht. Beim Lebensmittelpunkt geht es eher um die Sammlung, um Indizien. Wenn du noch ein Pferd auf der Koppel hast und sagst: Das ist mein Pferd, das habe ich seit 20 Jahren, ich bezahle weiter den Reiterhof, damit es ihm gut geht, auch wenn ich es nur noch viermal im Jahr sehe – dann ist das legitim. Aber wenn es irgendwo zu viel ist und sich nicht erklären lässt, warum ein vernünftiger Mensch das noch weiterführt, obwohl er offiziell ausgewandert ist, dann würde ich ein bisschen aufpassen. Es geht um die Gewichtung und die Menge.
Das heißt, es ist tatsächlich ziemlich einfach. Wenn ich wirklich auswandere, habe ich auch kein Pferd mehr auf der Koppel.
Genau. Ich sage: Es soll gepflegt werden, aber ich habe nicht mehr vor, jede Woche zum Reiten hinzufahren.
Dann kann ich es ja auch wieder rechtfertigen.
Genau.
Aber wenn ich wirklich auswandere und keine komische, sketchy Geschichte mache, dann bezahle ich das weiter, was weiterhin Sinn ergibt. Beim Handy würde es weiterhin Sinn ergeben.
Genau.
Und wenn ich finde, dass ein Studio-Drop-in viel smarter und günstiger ist, würde ich den Vertrag kündigen.
Ja, genau.
Spannend.
Das ist schön einfach, Verträge sind relativ gut handhabbar. Und da gilt wieder: Verträge sind der einfachere Part, aber vorher ein bisschen drauf schauen, damit man Sachen eventuell noch umstellt, die danach schwerer umzustellen wären. Ein Handyvertrag braucht zum Beispiel eine deutsche Adresse. Ich habe meinen zweiten Prepaid-Vertrag auch mit einer deutschen Adresse abgeschlossen. Das funktioniert, aber vorher ist es einfacher und konsistenter. Versicherung ist ein etwas anderes Thema – ein sensibles Thema, über das du dir zwingend vor der Auswanderung Gedanken machen solltest.
Warum? Oder auch: wie?
Ich würde bei Versicherungen immer erst mal unverbindlich anfragen – übrigens bei Bankkonten auch – und fragen: Wie wäre es, wenn ich ausgewandert bin, was bedeutet das für meinen Versicherungsstatus, behaltet ihr mich? Dann hast du eine Information und kannst auf der Basis eine Entscheidung treffen. Wenn sie sagen, sie versichern dich danach nicht mehr, dann macht die Versicherung auch keinen Sinn mehr. Der Worst Case bei einer Versicherung ist: Du zahlst jahrelang brav, egal was – Haftpflicht, BU, irgendwas. Und dann kommt der Schadensfall. Du sagst: Liebe Versicherung, ich habe einen Schadensfall, helft mir. Dann schauen die genauer hin, was bei dir los ist, kriegen mit, dass du seit drei Jahren ausgewandert bist, berufen sich auf ihre AGB und sagen: nur mit deutschem Wohnsitz. Wir sind nicht leistungsverpflichtet. Dann hast du keinen Versicherungsschutz, und im Zweifel kriegst du auch deine Beiträge zurück.
Genau, wollte ich gerade sagen: Ich hatte jahrelang eine Rechtsschutzversicherung, angeblich die Beste. Und immer, wenn ich etwas hatte, war sie dafür nicht zuständig. Und da habe ich noch in Deutschland gewohnt.
Naja, du musst dir auch überlegen: Bei Versicherungen ist mein Take ganz klar. Was ist eine Versicherung, wofür werden deine Beiträge genutzt? Du zahlst 100, davon gehen 30 für die Verwaltung drauf, 30 für den Gewinn der Versicherungsgesellschaft, es bleiben 40 übrig, um wirklich Schadensfälle zu leisten. Da ist schon mal ein Haufen Geld weg. Also: Wann macht eine Versicherung Sinn? Wenn es ein existenzbedrohender Schaden ist. Ich zahle sehr wenig für die Haftpflichtversicherung, und die soll mich absichern, wenn ich – dieses ominöse Beispiel – mein Fahrrad nicht vernünftig abstelle, es in die Tankstelle rollt und explodiert: 20 Milliarden Schaden. Dann soll die Haftpflicht greifen. Nicht, wenn ich beim Nachbarn eine Scheibe einwerfe. Bei einer Rechtsschutzversicherung muss ich im Zweifel ein paar hundert, ein paar tausend Euro für den Anwalt zahlen, das bringt mich nicht um. Und bei einer Hausratversicherung: Was habe ich denn an Hausrat, wie viel ist der wert, wie viel muss abgesichert werden?
Und vielleicht auch aus meiner Erfahrung, zu der Versicherung, die ich behalten habe: Ich habe denen einfach eine Mail geschrieben – hey, ich bin ausgewandert, wie sieht es aus? War total unproblematisch, gilt weiter.
Genau, fertig. Und auch da kommen wir gerne zur Community: Da tauschen wir uns regelmäßig zu solchen Themen aus, und es gibt auch Kontakte zu Anbietern, denen man vertrauen kann. Gerade im internationalen Kontext ist das ein wichtiges Thema, weil da viele schwarze Schafe herumlaufen. Es ist auch Geschmackssache, aber ich würde jedem eine Krankenversicherung empfehlen. Wenn du in der EU auswanderst, bist du meistens schon in der gesetzlichen Krankenversicherung des anderen Landes, das ist ein bisschen einfacher. Und eine Haftpflichtversicherung. Für beides gibt es internationale, deutsche und lokale Lösungen, da einfach ein bisschen schauen. Bestenfalls hast du beides schon vor der Auswanderung geklärt.
Super, das heißt, das Thema ist sehr viel entspannter, als ich gedacht hätte. Da kann deutlich weniger passieren.
Das ist ein Fleißthema. Wir haben eine Checkliste, die einen guten Überblick verschafft – geh die Sachen durch, dann kommt man ganz entspannt durch. Also deutlich entspannter als das Finanzamt. Was wir nie angesprochen haben, ist die Krankenversicherung, weil die allein stehend doch wieder deutlich komplexer ist als die anderen Sachen, die wir heute durchgegangen sind.
Dann machen wir dazu vielleicht eine extra Folge, oder?
Auf jeden Fall.
Wunderbar. Und wenn du mitbekommen möchtest, wann die extra Folge zur Krankenversicherung kommt, oder wenn du weitere Fragen hast, auf die wir unbedingt eingehen sollen, dann komm in unsere WhatsApp Community – den Link findest du in den Shownotes. Und wenn du uns etwas Gutes tun willst, um diesen Podcast bekannter zu machen, damit mehr Menschen eine klare Entscheidung treffen, dann like, kommentiere, folge und hilf uns, das größer zu machen. Danke dir.